Absender (alph. Reihenfolge): Markus Bandekow, Ralf Bartels, Candy Bauer, Max Bedewitz, Oliver-Sven Buder, Franka Dietzsch, Andy Dittmar, Julia Fischer, Christoph Harting, Robert Harting, Betty Heidler, Sophie Kleeberg, Nadine Kleinert, Jessica Kolozei, Petra Lammert, Christina Obergföll, Gunnar Pfingsten, Marc Roos, Peter Sack, Marco Schmidt, David Storl
an: BMI DOSB DLV Presse
cc: Werner Goldmann
Sehr geehrte Damen und Herren, kurz vor Weihnachten traf die Nachricht ein, dass Werner Goldmann keine Vertragsverlängerung zum 01.01.2009 erhalten und demzufolge nicht mehr als Bundestrainer Kugelstoßen (Männer) angestellt sein wird. Die Gründe, Vorwürfe, Unrechtmäßigkeiten, Beschuldigungen, verjährten Anschuldigungen etc. – allen Adressaten dürfte der Werdegang des „Rausschmisses“ bekannt oder leicht recherchierbar sein – sollen in den folgenden Zeilen nicht detailliert beleuchtet werden.
Vielmehr werden Kommentare, Meinungen und Anmerkungen folgen, die hoffentlich zum Nachdenken anregen und dem Menschen Werner Goldmann vermitteln, dass da Sportler sind, die eine solche „Bauernopferjagd“ nachdenklich stimmt, stark betroffen macht und Ängste schürt.
Wer aus der „alten Riege“ wird der Nächste sein? Wird jedem ehemaligen Sportler ohne weiteres Glauben geschenkt, auch wenn es dafür keine Beweise gibt?
Sport ist Werner Goldmanns Leben – dafür braucht es kein Studium seiner Biografie. Es handelte sicht hier nicht um ein einfaches Angestelltenverhältnis, wie dies formell sein (ehemaliger) Arbeitsvertrag mit dem DLV beschrieb. Es gab keine 40-Stunden- Woche, Gleitzeit, festen Arbeitsort, 8-Stunden-Tag und ein Telefon abschalten nach 16.30 Uhr. Trainer-Sein in seiner Position bedeutete: 24-Stunden-Tag, 7-Tage-Woche und dies über 40 Wochen im Jahr. Darüber hinaus Ansprechpartner sein für Athleten, Heimtrainer, Angehörige, Pressevertreter und auch seinen Arbeitgeber.
Die Kündigung des Jobs gleicht einer Amputation, einem Entzug von Lebenselixieren. Als würde man einem Musiker lebenslang „Instrumentenverbot“ geben, einem Künstler die Farbtöpfe versiegeln oder dem Sänger die Stimmbänder lähmen.
Hat im Rahmen dieses Verfahrens jemand einmal die Seite Mensch des Werner Goldmanns betrachtet? Ist die Stellung des DDR-Systems und die Rahmenbedingungen, die dieses System vorgab, beachtet worden? Hatten „DDR- Spitzentrainer“ die Chance NEIN zu sagen? Wären sie nicht ausgetauscht worden in dem Glauben eines unerschöpflichen Reservoirs an Fachkräften, ausgebildet „Made in GDR“?
Die Gründe der Anschuldigungen sind 25 Jahre her. Mörder sind nach solchen Zeiten amnestiert, entlassen oder „rehabilitiert“, aber im Fall Goldmann gibt es keine Frist. Wie kann der DOSB einem sportverrückten Trainer eine Ehrenerklärung vorlegen, von der man weiß, dass Sie nicht erfüllt werden kann? Einem Trainer, der sogar auf eigene Kosten zum Wettkampfhöhepunkt reist, um seinem Schützling beizustehen - wie zu den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka, als er vom Verband nicht berücksichtigt wurde.
Es wurde keiner der Athleten befragt, die nach der Wende mit ihm zusammengearbeitet haben. Wir hatten die Möglichkeit uns ein umfassendes Bild von Goldi zu machen und können nur sagen, dass wir diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehen können.
Die Art und Weise der Entlassung lässt auch nicht auf den nötigen Respekt und Anerkennung der geleisteten Arbeit seit der Wende schließen. Durch drei Sätze im Kündigungsschreiben, in denen kein Wort des Dankes fällt, kann man einen solchen Menschen und Trainer einfach nicht entlassen.
Stellen Sie sich bitte folgende Fragen: Wie viele Trainer aus der ehemaligen DDR gibt es in Deutschland und an welchen Erfolgen waren Sie seit der Wende mit beteiligt? Müssen diese Trainer jetzt jedes Jahr vor den Jahreshöhepunkten fürchten, wegen Ihrer Vergangenheit angegriffen und im schlimmsten Fall entlassen zu werden. Einer Vergangenheit, die bei den meisten Trainern aufgearbeitet und auch öffentlich bekannt ist. Diese Trainer hatten ihre Verfahren, wurden verurteilt und sind rechtlich rehabilitiert.
Man muss auch die Arbeitsweise der Presse in Frage stellen. Pünktlich vor jedem sportlichen Höhepunkt wird eine solche „Neuigkeit“ aus dem Hut gezogen. Meist von denselben, die später darüber schreiben, wie schlecht Deutschland wieder abgeschnitten hat. Warum wird immer wieder Unruhe und Stress in die Vorbereitung der Sportler gebracht, die ohnehin schon unter einem hohen Druck stehen? Ist das nur die reine Sensationslust der Presse oder die Einfallslosigkeit der Journalisten, die sicher über weitaus bessere Themen und persönliche Geschichten im Zusammenhang mit einem sportlichen Höhepunkt berichten können.
Auch die Abhängigkeit des DOSB und des DLV gegenüber der Presse ist kritisch zu betrachten. Hätte es die Entlassung auch gegeben, wenn die Presse über diese Sache nicht berichtet hätte, oder war Goldi wirklich nur ein Bauernopfer? Wir bitten alle Adressaten noch einmal in ruhigen Minuten zu analysieren und zu überdenken, was mit dem Menschen Werner Goldmann passiert. Man nimmt hier nicht nur einem sehr guten Trainer einen Job weg, sondern zerstört ein Leben, welches einer Passion gewidmet ist und erschwert einigen Athleten und Athletinnen den Weg zu ihrer Passion, indem der Trainer, Bundestrainer und Weggefährte genommen wird.
Herr Goldmann rief viele der aktiven Kaderathleten an, um ihnen persönlich mitzuteilen, dass er ab dem 01.01.2009 arbeitslos sein wir, er aber trotz allem, ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.
Zusatz der Athleten: Wir möchten darauf hinweisen, dass wir uns von jeglichen Dopingpraktiken distanzieren und sie auch verurteilen!
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